Teil II: ein Guide für Tauchlehrer

Wie man existierende Maskenpanik bereits brevetierter Taucher behebt – oder besser sicherstellt, dass die eigenen Tauchschüler niemals Maskenpanik erfahren müssen.

Bevor Du beginnst:

Schrödingers Taucher – warum Maskenpanik ein Problem ist

Teil I: Keine Maske, kein Problem – praktische Übung für Taucher mit Maskenprobleme

Das generelle Konzept um Maskenpanik zu vermeiden ist sehr einfach: Teile die gesamte Tauchfertigkeit in ganz viele kleine Schritte auf und eliminiere so soviele Stressfaktoren wie möglich, um zu beginnen. Bringe diese Stressfaktoren einen nach dem anderen zurück.

Maskenpanik besiegen – Vorbereitung

Zu allererst erkläre ich, wie die Tauchfähigkeit funktioniert und dass es wichtig ist, weil wir unsere Maske unter Wasser verlieren könnten, weil ein Tauchpartner wild mit den Armen fuchtelt oder wir zu dicht an jemandes Flossen schwimmen. Ich erwähne ebenso, dass es keinerlei Problem ist, wenn wir die Fähigkeit anständig beherrschen, aber auch, dass Taucher, die es nicht gescheit gelernt haben, in solchen Situationen in Panik verfallen können, was bereits zu Todesfällen geführt hat. Ich glaube fest daran, dass es wichtig ist, Schüler nicht zu belügen und offen und ehrlich über potentiell fatale Probleme zu sprechen. Aber natürlich auch, wie man diesen Ausgang vermeiden kann.

Danach erkläre ich, was der Säugetierreflex ist. Nicht in allen Details, ich beschränke mich darauf, dass es wichtig für Säugetiere ist, unter Wasser nicht zu atmen und sich deshalb über Jahrmillionen ein Reflex entwickelt hat, der dafür sorgt, dass die Atmung aussetzt, sobald Wasser an die Innenseite der Nase kommt. Da wir jetzt mit Tauchgerät unterwegs sind, ist das anders und wir müssen unser Hirn neu programmieren. Ich erwähne niemals, dass es schwierig ist, denn das ist schlichtweg nicht der Fall. Ohne Maske tauchen ist nur dann schwer, wenn der Schüler erwartet, dass es schwer ist. Was ich aber erwähne, ist, dass der Säugetierreflex bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Wie man Maskenpanik kuriert: Wasserübungen

Egal, ob der Schüler zum ersten mal mit Tauchequipment im Wasser ist oder ein bereits zertifizierter Taucher mit Maskenproblemen ist, ich starte immer an der Oberfläche, normalerweise mit Tauchgerät. Ein Seil oder etwas anderes, um sich festzuhalten ist sinnvoll. Das Jacket ist aufgeblasen, der Atemregler im Mund und die Maske doppelt ums Handgelenk gewickelt. Der erste Schritt ist es, das Gesicht ins Wasser zu legen und durch den Atemregler zu atmen. Ich rate dazu, mit geöffneten Augen zu üben da es einen zusätzlichen Stressfaktor eliminiert: komplett blind zu sein. Für Kontaktlinsenträger ist es sinnvoll, die Augen nur teilweise zu öffnen, so beugt man dem Verlust von Linsen vor und kann dennoch etwas sehen. Tageslinsen sind in diesem Falle sinnvoll, da so der finanzielle Schaden geringer ausfällt, sollte doch eine verloren gehen. Sobald der Taucher feststellt, dass er sehen kann und das Wasser nicht wie erwartet in den Augen brennt, sinkt das Stresslevel.

ein Guide für Tauchlehrer: MaskenpanikManche Taucher haben Probleme, wenn Blasen in ihre Nase kommen. Rate ihnen dazu, den Kopf auf die Seite zu legen, so berühren die Blasen die Nase nicht. Da sie das auch in einer echten Situation machen können, ist es kein Problem. Normalerweise sieht man zuerst, dass recht kurz und stoßartig ausgeatmet wird. Lasse dem Schüler genug Zeit, um sich an das Atmen unter Wasser zu gewöhnen und die Atmung wird ruhiger, entspannter und natürlicher werden.

Manche Schüler atmen ein wenig durch die Nase ein. In diesem Falle hilft es, die Nase anfangs zuzuhalten und später das Zuhalten auf den Beginn des Einatemvorganges zu beschränken. Mit der Zeit reduziert man das Zuhalten weiter bis der Schüler die Finger nicht mehr an der Nase braucht.

Sobald die Atmung entspannt ist, bringe Deinem Schüler bei, absichtlich zwischen ausatmen durch Nase und Mund hin und her zu wechseln. Ich tippe normalerweise nur auf Nasenspitze und auf die Wange, um anzuzeigen, wodurch ausgeatmet werden soll. Lasse ihn zuerst einige male durch eins von beiden ausatmen, bevor Du wechselst, danach wechsle bei jedem Atemzug und wenn auch das gut funktioniert, wechsle während eines einzigen Ausatemvorganges.

Sobald das gut funktioniert, lasse Deinen Schüler die Maske vom Handgelenk nehmen und das Maskenband auf die Rückseite der Hand legen. Lasse ihn die Maske ans Gesicht drücken, atmen und wieder abnehmen. Danach wird sie ans Gesicht gelegt, durch die Nase ausgeatmet und die Maske wieder abgenommen. Dann die Make wieder ans Gesicht gesetzt, die Oberkante angedrückt und sie teilweise ausgeblasen. Wieder ab. Dann erneut auf, komplett ausblasen. Wieder ab. Das wiederhole ich so lange, bis es gemütlich und entspannt klappt.

Für die meisten Schüler ist das alles, was ich tun muss, um sicher zu stellen, dass sie niemals Maskenpanik erleben müssen. Danach mache ich mit den Maskenübungen weiter wie üblich.

Für frühere Maskenpaniker

Wenn Dein Schüler den gesamten Prozess erfolgreich geschafft hat, tauche ich mit ihm ab, und nehme die Maske schwebend ab, setze sie wieder auf, blase sie aus. Danach zieht er sie erneut ab, schwimmt ein paar Meter ohne Maske und setzt sie wieder auf.

Als letzte kleine Herausforderung tausche ich gerne mit meinem Schüler die Maske. Zuerst tauschen wir die Masken und ziehen die des jeweils anderen auf, blasen sie aus und tauschen nachher wieder zurück. Das Wissen, unter Wasser die Maske mit einem anderen Taucher tauschen zu können, festigt die Idee, die eigene zu beherrschen, da es schwieriger erscheint.

Normalerweise mache ich diese Übungen maximal mit 2 Schülern, bei schwereren Fällen bevorzuge ich 1:1 Training.

Selten trifft man einen Schüler mit extrem stark ausgeprägtem Säugetierreflex. Er kann sogar so stark sein, dass der Schüler nicht einmal ins Wasser ausatmen kann. In diesen Fällen muss man einen ganzen Block an Übungen vorschieben, bevor man, wie oben beschrieben, beginnen kann.

wie man harte Fälle von Maskenpanik behebt

Starte an der Oberfläche mit Gerät und Kopf über Wasser. Atme durch den Regler. Falls der Schüler durch die Nase einatmet, lasse ihn zuerst mit aufgesetzter Maske atmen, um auf Mundatmung umzustellen. Falls es hart ist, gib dem Tauchschüler Hausaufgaben mit und lasse ihn die Übung auf dem Sofa trainieren.

Wenn das funktioniert, fahre fort.

Taucher ohne MaskeAn der Oberfläche mit Maske ums Handgelenk geschlagen und Atemregler im Mund. Lasse den Schüler mit Kopf über Wasser einatmen, das Gesicht ins Wasser legen und ins Wasser ausatmen. Normalerweise funktioniert das, in extrem harten Fällen hat es mir bislang geholfen, bereits über Wasser mit dem Ausatmen zu beginnen und währenddessen das Gesicht ins Wasser zu legen. Wiederhole das, bis es entspannt klappt. Dann beginne mit den Übungen wie oben beschrieben.

Die gesamte Prozedur kann eine Herausforderung sein. Ich hatte Schüler, die in 5 Minuten problemlos die gesamte Prozedur hinter sich gebracht hatten, aber auch andere, mit denen wir zwei Stunden bis zum erfolgreichen Ende brauchten.

Der Schlüssel ist, dabei ruhig zu bleiben und dem Schüler vor Augen zu führen, dass er es sicher schaffen wird und es auch selbst fest zu glauben. Glaubt man als Tauchlehrer nicht an den Erfolg, wird man ihn auch nicht erreichen. Wiederhole und bestärke, was der Schüler zu tun hat und ebenso, dass wir lange gelernt haben, dass man unter Wasser nicht atmen können und wir jetzt sein Hirn umprogrammieren müssen.

Bleibe ruhig und die Belohnung in Form eines lachenden und sehr glücklichen Schülers wird folgen.

“Geduld, Ausdauer und Schweiß sind eine unschlagbare Kombination für Erfolg”

  • Napoleon Hill –

Passende Links:
Schrödinger Taucher – warum Maskenpanik ein Problem ist

Teil I: Keine Maske, kein Problem – eine Übung für Taucher mit Maskenprobleme

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3 Kommentare

  1. stephan_hinterberger@gmx.de

    Ist ja gut daß sowas kommt aber wer das nicht vorher wußte sollte besser nicht auf Anfänger losgelassen werden und seinen TL-Schein wieder abgeben. Jeder Beginner darf/soll/muß ohne Maske aus dem Regler atmen. Im Flachwasser zuerst nur bis zum Mund, dann auch mit der Nase und zum Schluß der Übung auch mit den Ohren und Agen unter Wasser. Das muß die erste Übung mit Gerät im Wasser sein. Dann gibts nämlich keine Maskenpaniker mehr. Ängste nehmen und praktische Erfahrungen vermitteln ist der Hauptjob eines TL!!

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  2. Carmela Thies

    Ich habe eben versucht, einen Tauchkurs im Urlaub zu absolvieren. Am ersten Tag waren wir 10 Minuten im Pool, mit Maske. Die Atmung hat geklappt, mein Tauchlehrer ging mit mir ins Meer, in flaches Gewässer. Der erste Versuch ging schief, ich hatte das Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen. Beim zweiten Versuch ging es nicht viel besser. Mein Tauchlehrer fragte mich, ob ich aufhören will und ich sagte ja. Das ganze hat maximal 10 Minuten gedauert. Ich war traurig und bin nachmittags nochmal hin, sagte, dass mein Problem mein Kopf wäre und ich es nochmal versuchen wolle. Er guckte mich schon skeptisch an und meinte dann aber, ich soll am nächsten Morgen nochmal kommen. Wir gingen gleich ins Meer, es klappte besser als am Tag zuvor. Ich hatte keine Angst mehr. Ein- bis zweimal habe ich versehentlich versucht, durch die Nase zu atmen, das aber gleich wieder umgestellt und mich bemüht, ruhig durch den Mund ein- und auszuatmen. Dabei hatte ich immer das Gefühl, das Mundstück weiter in den Mund stecken zu müssen, es saß zu locker. Wenn ich es weiter reinschob, ging das Atmen viel leichter. Nach etwa 10 Minuten gab mein Tauchlehrer das Zeichen aufzutauchen und meinte, es wäre besser, ich würde aufhören. Ich könnte es schaffen, aber müsse mehr üben. Die Zeit habe er nicht. Ich bin kurz vorm Heulen. Können das andere wirklich so schnell? Ist es nicht normal, dass man das mehr als 10 Minuten üben muss? Ich hätte gerne auch alleine im Pool geübt, so lange bis ich ans Atmen keinen Gedanken mehr verschwende.

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    • Alex Buëß

      Hallo Carmela!

      Es tut mir sehr weh, so etwas zu hören. „Tauchlehrer“ wie dieser sind der Grund, warum die Tauchbranche in einer tiefen Krise steckt und dass er sich nochmal Zeit genommen hat, spricht sogar dafür, dass er noch einer der besseren ist, was leider nicht viel heißt.

      Wie lange es dauert, das Atmen unter Wasser zu erlernen, ist von Taucher zu Taucher unterschiedlich und wenn man es Stück um Stück üben lässt, lassen sich solche Probleme schnell lösen. Ich rate ihm dazu, den Artikel zu lesen.

      Um auf Dein Problem zurückzukommen: viele Tauchanfänger haben anfangs Probleme damit, das ist völlig normal. Das Einzige, das wirklich hilft ist üben, üben, üben und das auf eine sinnvolle Art und Weise. Das Gute ist: Du brauchst für Vorübungen weder einen Tauchlehrer noch ein Tauchgerät. Diese habe ich hier beschrieben. Übe und es wird sicher nach einiger Zeit klappen.

      Danach suche Dir bitte einen guten Tauchlehrer und lasse Dir anständig Tauchen beibringen. Bei jemandem, der nach nicht mal 10 Minuten den Tauchschüler aufgibt würde ich freiwillig nichts lernen wollen.

      Schaue Dir mal diesen Artikel hier an und beginne mit dem Üben. Ich freue mich darauf, zu hören, wie es Dir ergangen ist.

      https://www.dripstone-diving.com/de/keine-maske-kein-problem/

      Viel Erfolg beim Üben und insbesondere bei der Suche nach einem guten Tauchlehrer, die Unterwasserwelt ist wundervoll, lass Dir den Einstieg in eins der schönsten Hobbies der Welt nicht von Idioten vermiesen!

      Viele liebe Grüße aus Playa del Carmen!

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